VBE: Pressedienst

Dortmund, 18.11.2016

Deutscher Lehrertag 2016 Herbsttagung in Dortmund

 Multiprofessionelle Teams statt noch mehr Zumutung

 Auch in diesem Jahr findet die Herbsttagung des Deutschen Lehrertags in den Dortmunder Westfallenhallen statt. Knapp 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Bundesländern kommen heute unter dem Motto „Baustelle Inklusion/Integration – Herausforderung oder Zumutung?“ zusammen. Veranstalter des größten bundesweiten Weiterbildungstages für Lehrerinnen und Lehrer sind Verband Bildung und Erziehung und Verband Bildungsmedien e. V. in Kooperation mit dem VBE NRW.

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Nach dem Hauptvortrag „Die Inklusionslüge“ des Theologen Prof. Dr. Uwe Becker diskutiert der Referent mit dem Mitglied der Kultusministerkonferenz, Kultusministerin des Landes Niedersachsens Frauke Heiligenstadt, dem Bundesvorsitzenden des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann und dem Geschäftsführer des Verband Bildungsmedien e. V., Andreas Baer, zu den Themen Inklusion und Integration.

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Beckmann macht deutlich: „Die Politik legt den Schulen die Themen „Integration“ und „Inklusion“ vor die Tür und macht sich aus dem Staub, ohne die notwendigen Gelingensbedingungen bereitzustellen. Der Schulbetrieb ist aber nicht geeignet für solche Art von Klingelstreichen. Wenn die Politik möchte, dass Schulen Inklusion und Integration umsetzen und die damit verbundenen Herausforderungen annehmen, muss auch massiv investiert werden.“

Einen Schlüssel für die inklusive und integrative Beschulung und Förderung aller Kinder entsprechend ihrer Möglichkeiten sieht der VBE-Bundesvorsitzende im Arbeiten in multiprofessionellen Teams. „Durch die Unterstützung multiprofessioneller Teams werden bessere Voraussetzungen geschaffen, um beständige und tragfähige Lehr-Lernbeziehung zu den Schülern aufzubauen und sie in ihren emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten zu fördern. Die Lehrkräfte werden damit immer stärker zu Lernbegleitern, die in multiprofessionellen Teams unterstützt und entlastet werden“, stellt Beckmann heraus. Der Verband Bildung und Erziehung hatte gestern auf seiner Bundesversammlung ein entsprechendes Positionspapier verabschiedet.

In einer kürzlich veröffentlichten, vom VBE in Auftrag gegebenen, repräsentativen forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“ konnte gezeigt werden, dass 68 Prozent der befragten Lehrkräfte multiprofessionelle Teams auch als sinnvolle Maßnahme zur Gewaltprävention empfinden. Allerdings gibt es nur an 41 Prozent der Schulen bisher eine solche Zusammenarbeit. „Hier ist die Politik gefragt. Eine realistische Bildungspolitik braucht zuverlässige Finanzierung und ausreichende Ressourcen“, fasste Beckmann zusammen.

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Andreas Baer, Geschäftsführer des Verband Bildungsmedien e. V., stellte bei der Diskussion fest: „Schon immer müssen sich Lehrkräfte in ihren Klassen professionell mit den Themen Heterogenität und individueller Förderung auseinandersetzen. Unter dem Stichwort Inklusion erhält dies neue Relevanz. Schülerinnen und Schüler erfolgreich durch die Schule zu begleiten, ist das Ziel. Wie können Lehrkräfte Schwächen und Stärken ihrer Schülerinnen und Schüler sicher erkennen? Wie optimal darauf reagieren?

Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind an vielen Punkten verbesserungswürdig. Aber Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler können nicht nur auf die große Lösung warten. In der konkreten Unterrichtssituation gibt es vielfältige Möglichkeiten und wir Bildungsmedienhersteller wollen dabei Unterstützung leisten. In den Workshops und in der Fachausstellung finden Lehrkräfte Methoden und Konzepte für den inklusiven Unterricht und die Bildungsmedienverlage freuen sich darauf, diese mit ihnen zu diskutieren.“

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Hauptreferent auf der Herbsttagung des Deutschen Lehrertages 2016 ist der Theologe Prof. Dr. Uwe Becker, Autor des Buches „Die Inklusionslüge. Behinderung im flexiblen Kapitalismus“.

Zum Abschluss der Veranstaltung wird Jürgen Becker ein kabarettistisches Fazit ziehen.

Die Veranstaltung findet heute in den Westfalenhallen Dortmund statt. Nach der Eröffnung um 09.45 Uhr wird der Hauptvortrag von 09.50 bis 10.20 Uhr gehalten. Anschließend findet die Diskussion statt. Um 11.15 Uhr, 13.00 Uhr und 14.30 Uhr starten jeweils 50-minütige Veranstaltungen zu unterrichtspraktischen und fächerübergreifenden Themen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich aus bis zu 13 verschiedenen Angeboten eine Veranstaltung aussuchen. Begleitend findet eine Fachausstellung statt.

www.deutscher-lehrertag.de

Zur SPD-Erklärung „Eine Schule für alle“

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) kritisiert die Erklärung der saarländischen SPD-Landtagsfraktion, auf Förderschulen zu verzichten.

Der SLLV setzt sich für den Erhalt der Förderschulen ein, weil dort seit Jahrzehnten gute Arbeit geleistet wird. Sie bieten für viele behinderte Kinder die richtigen Rahmenbedingungen, weil der Umgang mit Heterogenität, individuelle Förderung und soziale Integration dort zum Alltag gehören. Die dort vorzufindenden Standards müssen auf die Regelschulen übertragen werden, wenn Inklusion gelingen soll. Dies ist noch lange nicht der Fall.

Die bisherige Zuweisung von Ressourcen ist ungenügend.

„Sie stellt unsere Lehrkräfte vor unlösbare Aufgaben und lässt sie ausbrennen. Solange sich daran nichts ändert, ist ein Plan, auf Förderschulen zu verzichten, absolut abwegig“, sagt die stellvertretende SLLV-Landesvorsitzende, Michaela Günther. „Unter diesen Bedingungen Inklusion durchzuführen, missachtet den Förderungsbedarf behinderter Kinder. Die Beschulung in Förderschulen bleibt weiterhin eine gute Alternative.“

Der SLLV fordert in diesem Zusammenhang nochmals eine konsequente Doppelbesetzung, kleinere Klassen, eine bessere räumliche und sächliche Ausstattung der Schulen sowie multiprofessionelle Teams.

Nicht alle Gemeinden werden ihrer Verantwortung als Schulträger gerecht!

Der Saarländische Lehrerinnen – und Lehrerverband (SLLV) hat die Planung des Städte- und Gemeindetages, die Kosten für die Schulverwaltungskräfte an den Grundschulen auf das Land zu verschieben, scharf  kritisiert.

Städte und Gemeinden seien nach dem Schulordnungsgesetz eindeutig dazu verpflichtet, als Schulträger das notwendige Verwaltungspersonal zur Verfügung zu stellen und wollten sich aus der Verantwortung ziehen.

„Es ist eine Frage der Prioritätensetzung der zu erfüllenden Aufgaben. Das Verwaltungspersonal dient doch nicht nur zur Entlastung der SchulleiterInnen, sondern hält den gesamten Schulbetrieb mit am Laufen!“, so die Landesvorsitzende Lisa Brausch.

Nach Auffassung des SLLV werde die in den Grundschulen geleistete Arbeit von manchen Schulträgern in ihrer Fülle nicht gesehen. Der Verband fordert deshalb nochmals, dass alle Schulträger ihrer gesetzlichen Verpflichtung endlich gerecht werden.

VBE: Gewalt gegen Lehrkräfte ist nicht ihr Privatproblem!

Düsseldorf, 14.11.2016

forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“

Gewalt gegen Lehrkräfte ist nicht ihr Privatproblem!

„Wenn zwei Drittel der befragten Lehrkräfte beim Thema Gewalt gegen Lehrkräfte mehr Engagement und Schutz von ihrem Dienstherren erwarten, ist das ein Alarmsignal an die Politik! Gewalt gegen Lehrkräfte wird häufig als jobimmanent abgetan und kleingeredet. Es ist skandalös, so zu tun, als sei es Bestandteil des Berufes, sich beleidigen, belästigen und körperlich angreifen zu lassen“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, die heute in Düsseldorf veröffentlichte repräsentative forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“, die der VBE in Auftrag gegeben hatte.

Der Ton in der Gesellschaft werde immer rauer, die Sprache verrohe,
Konflikte eskalierten öfter, schneller und werden mit härteren Mitteln ausgetragen, Autoritäten werden nicht mehr anerkannt. Diese gesamtgesellschaftliche Entwicklung mache auch vor der Schule nicht halt. 55 Prozent der befragten Lehrkräfte sagten, dass es an ihrer Schule in den letzten fünf Jahren Fälle gab, in den Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Selbst von psychischer Gewalt betroffen waren ein Viertel der Befragten.

Fälle an der Schule, in denen Lehrkräfte körperlich in den letzten 5 Jahren angegriffen wurden, wussten 21 Prozent bundesweit berichten. Selbst Erfahrungen mit körperlicher Misshandlung, zum Beispiel schlagen, schütteln, stoßen, treten, boxen, mit Gegenständen werfen, an den Haaren ziehen, mit den Fäusten oder Gegenständen prügeln haben 6 Prozent der befragten Lehrkräfte gemacht. Der Bundesvorsitzende macht deutlich: „6 Prozent von knapp 755.000 an allgemeinbildenden Schulen beschäftigten Lehrkräften sind über 45.000 Lehrerinnen und Lehrer, die tätlich angegriffen wurden! Wir lassen uns nicht mehr erzählen, dass Gewalt gegen Lehrkräfte Einzelfälle sind. Erschütternde Gewissheit ist: Das sind sie nicht! Und es sind 45.000 zu viel.“

Auch Cybermobbing wird ein immer größeres Phänomenen. 77 Prozent der Befragten sehen eine Zunahme von Formen des Mobbings über das Internet. Fast jede dritte befragte Lehrkraft gab an, dass es Fälle an der Schule gab. Beckmann: „Medienkompetenz ist wichtig, um Schülerinnen und Schüler ein Unrechtsbewusstsein für Cybermobbing zu vermitteln.“

„Gewalt gegen Lehrkräfte“ wird von 57 Prozent der Befragten als
Tabuthema angesehen. So ist es auch zu erklären, dass 15 Prozent der Befragten angaben, dass sie bei psychischen Angriffen durch Schüler nichts unternommen haben. Erfolgte der psychische Angriff durch Eltern, geben sogar 35 Prozent der befragten Lehrkrafte an, den Vorfall nicht gemeldet zu haben. Beckmann kommentiert: „Gewalt gegen Lehrkräfte wird zum Privatproblem erklärt. Fehlende Unterstützung der Verantwortlichen, Zweifel an der Erfolgsaussicht und die Angst vor Konsequenzen verhindern die konsequente Meldung und Verfolgung von psychischen und physischen Angriffen. Der Dienstherr muss sich schützend vor und vor allem unterstützend hinter die Lehrkräfte stellen.“

Der Bundesvorsitzende stellt klar: „Viel zu oft wird das Problem
kleingeredet. Die schlimmste Relativierung: `Das gehört halt zu Ihrem Job.´ Außer professionellen Kampfsportlern ist mir keine Personengruppe bekannt, zu deren Job es gehört, sich psychisch und physisch angreifen zu lassen.“

Präventiv könnte neben Gesprächen mit den Schülern, einem Schulkodex und Kooperationen mit der Polizei und externen Institutionen vor allem das Arbeiten in multiprofessionellen Teams und in ausreichend großen Räumen wirken. Allerdings werden diese Gelingensbedingungen von der Politik verweigert. Während 68 Prozent der Befragten die Zusammenarbeit mit multiprofessionellen Teams als sinnvoll für die Gewaltprävention erachten, arbeiten nur 41 Prozent der Lehrkräfte so. Beckmann empört: „Das ist ein vom Bildungsministerium geschriebenes Drama, in dem die Lehrkräfte fünf Rollen auf einmal spielen sollen. Es besteht dringender Handlungsbedarf!“

Dass die Politik reagieren muss, zeigt sich auch an diesem Ergebnis:
45 Prozent der Befragten erwarten von der Schulverwaltung und
58 Prozent der Befragten von der Landesregierung und dem
Schulministerium, dass sie endlich mehr unterstützt und besser geschützt werden.

Wir fordern:
• Gewalt gegen Lehrkräfte darf kein Tabu-Thema mehr sein.
• Die Dokumentation von Vorfällen hat verpflichtend zu erfolgen.
• Statistiken müssen geführt und veröffentlicht werden.
• Die Lehrkraft muss die volle Unterstützung des Dienstherren
erhalten.
• Entwicklung klarer Strukturen, an wen sich Lehrkräfte wenden
können und was nach einem Übergriff zu tun ist.
• Unterstützung der Schulen durch multiprofessionelle Teams.
• Ein breites Fortbildungsangebot.
• Vermittlung von Medienkompetenz als Prävention gegen
Cybermobbing.

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SZ-Bericht vom 15.11.2016

Junge Lehrerinnen und Lehrer endlich voll bezahlen!

                                                           Saarlouis, den 09.11.2016

Angesichts des aktuell diskutierten Personalmangels an den Grundschulen fordert der SLLV die Landesregierung nochmals eindringlich auf, die Reduzierung der Eingangsbesoldung dringend zurückzunehmen.

„Man muss kein Hellseher sein um abzusehen, dass es bei der nächsten Einstellungsrunde im Februar mehr freie Planstellen als Bewerber geben wird! Die Lehrerinnen und Lehrer haben mittlerweile die freie Auswahl hätten und wandern in andere Bundesländer ab, in welchen sie von Anfang an voll bezahlt werden!“, so die Landesvorsitzende Lisa Brausch.

Bereits jetzt könnten Vertretungsstellen nicht mehr mit dafür ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer besetzt werden.

Auch im Bereich der Gemeinschaftsschule sind erste Engpässe zu erkennen.

Deshalb fordert der SLLV die Landesregierung auf, endlich wach zu werden und Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen von Anfang an voll zu bezahlen.

 

 

Seminar „Forum Schulentwicklung – Anstöße und Aufbrüche“

Samstag 12. November 2016, 9.30 bis ca. 16 Uhr
Politische Akademie der Stiftung Demokratie Saarland, Saarbrücken (Europaallee 18)

Eine herausragende Schule stellt ihren Aufbruchprozess und ihre Praxis vor: die Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf, Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises 2016.

Aus der Laudatio der Jury des Deutschen Schulpreises:
„In beispielhafter Weise hat sich die Schulleitung, gemeinsam mit dem Schülerparlament, den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern, dem Arbeitskreis „Grundschule im Wandel“, dem nahezu alle Lehrerinnen, Lehrer und pädagogisch Mitarbeitenden angehören,
auf den Weg gemacht, das Lernen zu verändern und an neuen Unterrichtkonzeptionen und Unterstützungsinstrumenten zu arbeiten. Die Ergebnisse zeigen intensiv genutzte Lernzeiten, problemorientierte Aufgabenstellungen, große Zufriedenheit und Identifikation aller am Schulgeschehen Beteiligten und ein positives Lernklima durch individuelle Förderung.“

Eingeladen sind: Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Eltern

Veranstalter: Stiftung Demokratie Saarland und Landeselterninitiative für Bildung in Kooperation mit der Deutschen Schulakademie sowie dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien sowie der Landesschüler- und Gesamtlandeselternvertretung

Mit dem jährlichen Seminar „Forum Schulentwicklung – Anstöße und Aufbrüche“ wollen die Veranstalter des Saarländischen Schulpreises, die Stiftung Demokratie Saarland und die Landeselterninitiative für Bildung e.V., in Kooperation mit anderen den Austausch und die Verbreitung vorbildlicher reformorientierter Schulpraxis fördern. Orientierungsrahmen sind die  Qualitätsbereiche des Preises: Qualität von Unterricht und Lernen, individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt, Verantwortung für sich und andere, Schulklima, Schule als lernende Organisation und Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Im Seminar präsentiert der Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises 2016 seinen Aufbruchprozess und seine Praxis. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden eingeladen, daraus Vorstellungen für die Schul- und Unterrichtsentwicklung in ihrem Wirkungskreis abzuleiten. Das Programm orientiert sich aber in erster Linie an den  Schlussfolgerungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Informationen der Preisträgerschule.

Seminarleitung: Bernhard Strube, Programmleiter des Saarländischen Schulpreises und Sprecher der Landeselterninitiative für Bildung e.V.

Referenten:
Heinrich Brinker, Leiter, und Heike Draber, Konrektorin der Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf, Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises 2016

Teilnahme kostenlos. Anmeldung erbeten bei Stiftung Demokratie Saarland, Elena Steinmetz (es@sdsaar.de), oder online unter www.sdsaar.de. Teilnehmende Lehrerinnen und Lehrer erhalten vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien eine  Fortbildungs-/Teilnahmebescheinigung.